Flüchtlinge aufs Land: Die Lösung gegen die allgemeine Landflucht!

Sammelunterkünfte, Zeltstädte, Turnhallen – Gerade in Ballungsgebieten wird jeder freie Quadratmeter genutzt, um Flüchtlinge unterzubringen. Der Baden-Württembergische Ministerpräsident schlägt einen anderen Weg vor: Ab aufs Land!

Es könnte ein Weg sein, von dem alle profitieren. Der Vorschlag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schlägt vor Flüchtlinge vermehrt in ländlichen Regionen anzusiedeln, die mit Abwanderung zu kämpfen haben. Die Alternativen dazu sind Provisorien, wie Container- oder Zeltstädte oder ein gesteigerter Wohnungsneubau. Erstere können nur eine Zwischenlösung sein und die zweite Alternative würde vor allem in Metropolen und Ballungsgebieten zu weiteren Mietsteigerungen und Wohnungsknappheit führen und außerdem viel Geld kosten. Die Wiedernutzung von Leerständen auf dem Land hingegen hätte verschiedene Vorteile: Es sind viele, (nahezu) bezugsfertige Wohnungen vorhanden, die Abwanderungsgebiete werden wieder mit Leben gefüllt und der wachsende Fachkräftemangel in den Regionen könnte gezielt bekämpft werden.

In vielen Leerstandsregionen gibt es mittlerweile über-/durchschnittlich viele offene Stellen. Diese könnten durch gezielte Förderung mit Flüchtlingen besetzt werden. Anreiz für den Umzug in die ländlichen Regionen könnte ein Konzept dieser Art sein: Immigranten mit gefragten Qualifikationen, beispielsweise Handwerker, Ärzte und Pflegepersonal, würden schnell in eine eigene Wohnung ziehen können und bekämen nach einem Deutsch-Crashkurs und optional einem Praktikum im Betrieb zügig eine Arbeitserlaubnis erteilt.

Der „Ghetto“-Bildung in Großstädten könnte so ebenfalls entgegengewirkt werden. Asylbewerber zieht es vor allem in Städte und Stadtteile, in denen es schon Gemeinschaften aus ihrer Heimat gibt und ihnen zum Beispiel das Einkaufen durch arabischsprachige Geschäfte erleichtert wird. Ohne den Wohnort betreffende Auflagen drohten „Ghetto-Probleme“ warnt SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die Anreize sich mit der neuen Kultur und Sprache auseinanderzusetzen seien in so einem Umfeld gering. Migrationsexperten weisen hingegen darauf hin, dass ein Netz aus Landsleuten der Integration ebenso förderlich sein kann. Deshalb muss es in den Städten genauso wie auf dem Land Integrationskonzepte geben. Ein überschaubares Umfeld, in dem man sich schnell kennenlernt, bietet allerdings gute Integrationsbedingungen. Experten meinen, dass es gerade Familien mit Kindern auf dem Land leichter haben werden. Durch den Kontakt mit der übrigen Bevölkerung über Sportverein, Kindergarten oder Schule werden schnell Verbindungen gefunden und Netzwerke gebildet. Sie könnten deshalb bevorzugt werden, schließlich gibt es auf dem Land auch zahlreiche Einfamilienhäuser, die sich vor allem für Familien eignen. Sechs von zehn Flüchtlingen kommen derzeit als Familien nach Deutschland.

Wohnungsbauprogramme hingegen kosten Milliarden und dauern sehr lange. Auch wenn die benötigten Wohnungen schnell geplant und genehmigt würden, vergingen wahrscheinlich immer noch bis zu drei Jahren, bis die Wohnungen bereit stünden. Im Bundesgebiet gibt es derzeit aber rund 1,7 Millionen Wohnungen, die ohnehin leer stehen.

Die Mehrheit der Bundesbürger würde einem regionalen Unterbringungskonzept von Flüchtlingen positiv gegenüber stehen. Laut einer Forsa-Umfrage würden 58 Prozent dieses Konzept für eine gute Lösung halten. Vor allem Wähler der Grünen (58 Prozent) und SPD-Anhänger (59 Prozent) sind dafür. 36 Prozent der Befragten lehnen den Vorschlag hingegen ab, darunter vor allem AfD-Wähler. Auch die Bewohner von ländlichen Gemeinden unter 5.000 Einwohnern sind mehrheitlich (52 Prozent) für die Ansiedung von Flüchtlingen in den Leerstands-Gebieten.

Originalbeitrag lesen:

http://news.immobilo.de/2016/02/29

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